Monatsspruch Juni

Vergesst die Gastfreundschaft nicht. Denn durch sie haben
einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt. (Hebr 13,2)

Sommer – Gartenfeste. Wir laden gern Gäste ein und wir sind selbst gern zu Gast. Wir sitzen beieinander – das Leben ist schön.
Wen haben wir eingeladen? In aller Regel Leute, die wir mögen. Was aber, wenn Besuch unangekündigt kommt? Und was besonders, wenn ich den Besuch nicht kenne? Oder er mir doch nicht sympathisch ist? Einige unserer Kirchen liegen am Pilgerweg. Da kennen sich die Leute aus mit unangekündigtem Besuch, mit merkwürdigem auch. Der Mann sitzt abends in der Kirche, wenn ich zuschließen will. Er braucht noch ein Bett. Die Zahnbürste hat er dabei, das war‘s. Die Wandernden sind im Ort schon von Weitem an Rucksack und Hut zu erkennen, etwas schlurfig der Schritt. ‚Möchten Sie vielleicht einen Kaffee?‘ Das Gesicht hellt sich auf.
‚Vergesst die Gastfreundschaft nicht. Denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.‘ Gastfreundschaft ist ein hohes Gut in der Bibel. Sara und Abraham wären nicht unsere Glaubenseltern geworden, hätten sie nicht drei Engel oder Männer? Gott selbst? (1. Mose 18) beherbergt. Die Gastfreundschaft Elisabeths gewährt Maria eine Atempause vor ihrer Aufgabe als Mutter des Erlösers. Schließlich wäre ohne die Gastfreundschaft der ersten christlichen Gemeinden der Glaube schlicht stecken geblieben im Heiligen Land.

Wen also nehmen wir auf – geplant oder ungeplant? Und welche Art von Gast sind wir, besonders in diesen Sommermonaten, in denen viele von uns Gastfreundschaft genießen? Ist mir klar, dass ich ein Engel sein könnte? ‚Ich bin ein Gast auf Erden‘, weiß ein altes Gesangbuchlied. Ich bin von Anfang an darauf angewiesen, dass Menschen mich freundlich aufnehmen. Ich kann diese Haltung erwidern. Wem also geben wir mit unserer Gastfreundschaft eine Atempause auf dem Weg zum ewigen Zuhause? (R. Guardini) Wenn Sie in diesen Wochen unterwegs sind oder Gäste empfangen, wer weiß, welcher Engel Ihnen schon hier auf Erden begegnet!?

Ihre Pfarrerin Barbara Lötzsch

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